Im Abiturerlass Ethik für das Landesabitur 2027 steht beim Stichwort „Menschenrechte und Migration“ ein Name, den zu behandeln alle Ethik-Kurse in Hessen gehalten sind: Prof. Dr. Julian Nida-Rümelin. Er war zu Gast in der Reihe „Herder lädt ein“.

Nida-Rümelin lehrte als Professor für Philosophie in Göttingen und München. In den Jahren 2001 und 2002 war er als Kulturstaatsminister Mitglied der rot-grünen Bundesregierung. Aus der Göttinger Zeit stammt der Kontakt, an den Frau Rosenhahn-Ohlmeier anknüpfen konnte. Sie hatte als Studentin mehrere Seminare bei Prof. Nida-Rümelin belegt, konnte ihn für einen Besuch in der Herderschule gewinnen und moderierte nach dem Vortrag die Diskussion. Sie wurde dabei unterstützt durch Altina Bajrami (Q1) und Paul Zacharias (Q3).

160 Zuhörerinnen und Zuhörer verfolgten mit großer Aufmerksamkeit die Veranstaltung. Neben den Ethik-Kursen der Q1 und Q3 waren ehemalige und aktive Lehrkräfte der Herderschule sowie weitere Gäste im Publikum.

Nida-Rümelin spannte einen weiten Bogen ethischer Zugänge zum Thema „Menschenrechte und Migration“. Er kritisierte den medial verbreiteten Slogan, dass global derzeit nicht mehr die „Stärke des Rechts“ gelte, sondern das „Recht des Stärkeren“. Das sei in der Vergangenheit selten anders gewesen. Der derzeit zu beobachtende Epochenumbruch sei keine Abkehr von „westlichen“ Werten einer regelbasierten Ordnung, sondern eine Abkehr westlich dominierter Machtpraxis.

Migration bewege sich im Spannungsfeld ethischer Dilemmata. Die sozialstaatliche Versorgung Geflüchteter sei einerseits ethisch und rechtlich geboten. Sie privilegiere andererseits die Geflüchteten gegenüber den im Herkunftsland Verbliebenen. Außerdem würden die Herkunftsländer dadurch geschwächt, dass die meist jungen Menschen aus den Mittelschichten ihr Land verließen.

Es brauche eine kosmopolitisch orientierte Weltordnung, um Migration sinnvoll zu steuern und eklatante globale Ungleichheiten zu reduzieren.

Die Schule hat mit dem Besuch von Prof. Dr. Nida-Rümelin einen großen Tag erlebt. Wir danken allen, die daran beteiligt waren.

Text: Dr. Axel Wunderlich
Fotos: Benjamin Sperl