Starker Schneefall in der Nacht sorgte dafür, dass die Gedenkveranstaltung anlässlich des „Tages des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ anders verlief als geplant. Viele Schülerinnen und Schüler und weitere Gäste konnten nicht kommen, weil der Busbetrieb eingestellt worden war. Auch der Referent, Sporthistoriker Dr. Henry Wahlig, konnte seine Anreise aus Bochum nicht antreten.
Trotzdem wurde im Saal der Volkshochschule Region Kassel die gemeinsame Gedenkfeier von Herderschule und vhs würdig begangen. Sie war von Schülerinnen und Schülern des Jahrgangs 13 gemeinsam mit Sarah Rossbach, Leszek Szuta und Dr. Axel Wunderlich von der Herderschule sowie Gunnar Zamzow von der Volkshochschule vorbereitet worden.
Nach einer Begrüßung durch Sam Dietz wies Landrat Andreas Siebert in seinem Grußwort auf den Kontrast zwischen Inklusion durch Sport heute und Exklusion durch Sport im „Dritten Reich“ hin. Saphira Jeltsch und Carl Pitzing trugen Ergebnisse vor, die das Vorbereitungsteam zum Lokalsport im Raum Kassel während der NS-Zeit zutage gefördert hatte. Auf der Basis einer Festschrift zur TSG Wellerode, einer Chronik der FSK Lohfelden und dem Original-Protokollbuch des TSV Ihringshausen wurden markante Aspekte herausgestellt und illustriert.
Weil Dr. Wahlig nicht kommen konnte, wurden stattdessen Passagen aus seinem Buch „Sport im Abseits. Die Geschichte der jüdischen Sportbewegung im nationalsozialistischen Deutschland“ vorgelesen und eingebettet. Die Schwerpunkte lagen dabei auf frühen Maßnahmen des Regimes gegen Jüdinnen und Juden im Sport sowie auf der Entfernung jüdischer Sportlerinnen und Sportler aus dem deutschen Olympia-Kader für die Spiele 1936 in Berlin.
Da die Moderation nach dem Fachvortrag entfiel, mussten sich Melina Wagner und Samuel Andrecht darauf beschränken, inhaltliche Richtungen anzusprechen, in die eine Diskussion hätte eingehen können.
Máté Bartus erläuterte die Module, die in der Woche nach den Weihnachtsferien für alle Schülerinnen und Schüler des 13. Jahrgangs zur Einwahl bereitstanden, vorbereitet und durchgeführt durch die Geschichtslehrkräfte der Herderschule.
Schulleiter Stefan Alsenz dankte den Beteiligten und verwies auf die gesellschaftliche Macht des Sports, die auch heute politisch missbraucht werden könne.
Klaviermusik durch Matthias Müller (ein Stück von Bach, ein Stück von Ginastera) unterstützte die dem Anlass sehr angemessene Atmosphäre der Veranstaltung.
Außer den bereits genannten Schülerinnen und Schülern des 13. Jahrgangs waren an der Vorbereitung beteiligt: Frederik Küster, Tessa Meyer, Anouk Sprenger und Ayhan Yildiz.
Text: Dr. Axel Wunderlich
Fotos: Stefan Alsenz, Thomas Wahren
