Gaben und erhielten einen interessanten Einblick in die deutsch-deutsche Sportgeschichte (v.l.): Stellv. Schulleiter Dr. Johannes Werner, Dezernent Klaus Sprafke, Dr. René Wiese (Zentrum für Sportgeschichte), Annette Knieling (Leiterin Schulamt Kassel), Mark Weinmeister (Regierungspräsident), Dirk Schlegel, Stefan Alsenz (Schulleiter), Andreas Käckell (NDR-Sportredakteur), Flora Thielbörger, Carina Wagner, Julia Ball (Lehrerinnen der Sport-Leistungskurse)
Dirk Schlegels Flucht aus der DDR und seine Zeit im westdeutschen Profifußball
Dr. René Wiese vom Zentrum deutsche Sportgeschichte, der ehemalige DDR/BRD-Fußballer und spätere Bayer Leverkusen- und VFB Stuttgart-Spieler Dirk Schlegel und NDR-Sportreporter Andreas Käckell waren Gast der Herderschule, um einen Einblick über die Flucht sehr bekannter Sportler aus der ehemaligen DDR zu geben und mit den angehenden Abiturientinnen ins Gespräch zu kommen.
Auf Vermittlung des Staatlichen Schulamtes war diese Veranstaltung möglich geworden, an der die Leiterin des Staatlichen Schulamtes, Annette Knieling, und der Dezernent Klaus Sprafke ebenso teilnahmen wie der Kasseler Regierungspräsident Mark Weinmeister.
Aus der Schule folgten der Einladung die Schülerinnen und Schüler von vier Sport-Leistungskursen.
Dr. Wiese präsentierte mehrere Biografien geflohener Fußballer, die bekanntesten davon sind Norbert Nachtweih, Falko Götz und eben Dirk Schlegel, der sehr authentisch von seiner eigenen Flucht berichtete.
Falko Götz und er waren 1983 während eines Auslandsspiels des Berliner BFC Dynamo in Belgrad geflohen, indem sie die Hintertür eines Plattenladens und ein dort verfügbares Taxi nutzten, um in die westdeutsche Botschaft zu gelangen. Auf abenteuerliche und riskante Weise gelangten sie schließlich über Österreich nach Westdeutschland.
Dr. Wiese berichtete von Überwachungen der DDR-Staatssicherheit auch nach der Flucht der Sportler, von Bedrohungen der zurückgebliebenen Familien und Freunde und sogar von einem vermeintlichen Mord des Geheimdienstes an einem geflüchteten Sportler. Dieser Mord geschah wenige Wochen vor der Flucht von Schlegel und Götz und habe die Angst vor schweren Konsequenzen noch gesteigert, so Dirk Schlegel.
Dr. Wiese präsentierte Einsichten in Stasi-Akten der Sportler und auch Zeitungsmeldungen aus Ost und West. In einer Karikatur im Westen wurde getitelt: „Aus Stürmern werden Türmer!“
Andreas Käckell moderierte kenntnisreich, er band sowohl den Regierungspräsidenten als auch die Zuschauenden mit ein.
Hier wurde Sportgeschichte lebendig und greifbar. Dirk Schlegel ist bis heute dem Fußball verbunden. Er ist als Scout unterwegs und versucht Talente für den Profisport zu gewinnen, obwohl sich viel verändert habe seit seiner Flucht vor über 40 Jahren.
Es sei ihm ein Anliegen, jungen Menschen von seiner Erfahrung zu berichten und auch davon, wie Unrechtsregime Sport zu ihrem Instrument machen und dabei allzu oft der Freiheit und der Liebe zum Sport junger Talente mit Gewalt entgegenstehen.
Bilder: Benjamin Sperl
Text: Stefan Alsenz


