Die Klasse 11e (Klassenleitung Frau Woodhouse) konnte ein Workshop-Angebot der Deutschen Gesellschaft nutzen, bei dem es um die Rolle von Frauen in der Politik in Geschichte und Gegenwart ging. Ron Heckler, Referent bei der Deutschen Gesellschaft (eines gemeinnützigen Vereins „zur Förderung politischer, kultureller und sozialer Beziehungen in Europa“), moderierte den Workshop. Unterstützt wurde er von Laura Schibbe vom Archiv der deutschen Frauenbewegung, das seinen Sitz in Kassel hat.
Nach einer Einführung in das Thema wurde in vier Gruppen an einzelnen Aspekten gearbeitet, die anschließend durch die Schülerinnen und Schüler präsentiert wurden.
1. Die Einführung des Frauenwahlrechts in Deutschland 1918 führte zu einer echten Demokratisierung des Landes in der Weimarer Republik. Die Wahlbeteiligung von Frauen an den Reichstagswahlen war hoch, die Zahl weiblicher Abgeordneter jedoch klein – ein aus der Gegenwart einiger Parteien bekanntes Phänomen.
2. Unter der Federführung der Kasseler Sozialdemokratin Elisabeth Selbert wurde 1949 der Gleichberechtigungsartikel 3 Absatz 2 ins Grundgesetz aufgenommen. Es dauerte aber Jahrzehnte, bis rechtliche Regelungen getroffen wurden, die eine echte Gleichberechtigung von Männern und Frauen ermöglichten. In der gesellschaftlichen Realität bestehen weiterhin Ungleichheiten.
3. In der DDR wurde das Ideal der gleichberechtigten und berufstätigen Frau im Rahmen der sozialistischen Planwirtschaft entwickelt. Eine freie Entfaltung scheiterte jedoch an der Unfreiheit des DDR-Systems.
4. Unter der Fragestellung „Quote oder Parität?“ wurden Probleme der Gleichberechtigung in der Gegenwart angesprochen, von der Diskussion über Paritätsgesetze, Quoten und die Stellung von Sorgearbeit bis zur MeToo-Bewegung.
Der letzte Punkt war der Übergang zu einem Gespräch mit der Vize-Landrätin des Landkreises Kassel, Silke Engler. Engler, in Rostock geboren und in der DDR aufgewachsen, erzählte von den Möglichkeiten und Schwierigkeiten, als Frau hauptamtlich politisch tätig zu sein. Die Schülerinnen und Schüler der 11e befragten die Juristin zu ihren Ideen, das Sicherheitsgefühl von Frauen etwa im ÖPNV zu erhöhen, sowie zu möglichen Maßnahmen, den Anteil von Frauen in der Politik auszuweiten. Engler betonte, dass es nicht um ein Gegeneinander der Geschlechter gehen dürfe, sondern um eine Kompensation bestehender Nachteile für Frauen. Gerade Leitungsämter mit einer Doppelspitze aus Mann und Frau zu besetzen, sei ein zukunftsweisendes Modell.
Die Herderschule dankt den Beteiligten für einen ebenso informativen wie anregenden Workshop.
Text und Fotos: Dr. Axel Wunderlich