Die Schüler der Q3 beschäftigten sich anlässlich des Holocaustgedenktag mit dem Wirken des Hessischen Generalstaatsanwaltes Fritz Bauer, der in den 60er Jahren den Ausschwitz-Prozess als Chefankläger durchführte. Eine Vorbereitungsgruppe, bestehend aus Herderschülern und Lehrern, bereitete im letzten Schulhalbjahr seit September 2015 die Veranstaltung im Hermann-Schafft- Haus vor, die auch eine außerschulische Öffentlichkeit beeindruckte (siehe Pressebericht).

Fritz Bauer war einer der wenigen deutschen Juristen, die nach dem Krieg die Strafverfolgung von NS-Tätern in den Vordergrund ihrer Arbeit rückten. So ist u.a. das Zustandekommen des Auschwitz-Prozesses in den 60er Jahren Bauers unermüdlicher Arbeit als hessischer Generalstaatsanwalt zu verdanken.
Werner Renz vom Fritz-Bauer-Institut in Frankfurt schilderte die Lebensleistung des außergewöhnlichen Juristen in seinem Vortrag. Er legte detailliert und kenntnisreich dar, wie kompliziert und schwierig die Beweisführung und Rechtsprechung in den NS-Prozessen war.

Während der nachfolgenden Podiumsdiskussion mit Publikumsbeteiligung, die Herderschüler mit Werner Renz führten, wurden Video-Clips zu Leben und Wirken von Fritz Bauer gezeigt, die sehr anschaulich Bezüge zu den Diskussionsbeiträgen herstellten. Diskutiert wurden unter anderem seine Rolle im Eichmann-Prozess und seine Zusammenarbeit mit dem israelischen Geheimdienst, aber auch die relative Isolation Bauers im Justiz- und Strafverfolgungsapparat außerhalb seines engsten Mitarbeiterkreises, die durch die NS-Nähe vieler Juristen und Politiker der Nachkriegszeit entstand.
Fritz Bauers Kindheitsmuster, die goldene Regel „Was du nicht willst, dass man dir tut, das füge auch keinem anderen zu“, wurde ebenso thematisiert wie sein Appell, nicht Härte, sondern Toleranz und Menschlichkeit als Stärke zu sehen.

Seit dem Jahre 2000 gestalten Herderschüler und –schülerinnen der Geschichtskurse der Q3 (Jahrgang 13) Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag - zunächst für den gesamten Jahrgang 13, dann auch für die Öffentlichkeit. Unterstützt werden sie von Geschichtslehrern und dem Leiter des gesellschaftswissenschaftlichen Aufgabenfeldes. Dabei planen 20 bis 30 Akteure jedes Jahr eine zweistündige Veranstaltung für 200 bis 300 Zuschauer - Schüler recherchieren, moderieren, diskutieren und organisieren.

Seit 2013 findet die Veranstaltung in Kooperation mit der Volkshochschule Kassel und außerhalb der Herderschule statt.
Besonders hervorzuheben sind Dr. Rößer, Herr Breitgoff und Frau Nulsch (alle Herderschule) sowie Thomas Ewald (VHS) für die Vorbereitung und Durchführung der Veranstaltung.