Wenn Seifenblasen durch die Luft fliegen und nur aus Kisten eine Welt erschaffen wird, ist man in der Welt der „Flugversuche“. In der Herderschule Kassel präsentierte am 5. März 2015 der Grundkurs Darstellendes Spiel Q2 unter der Leitung von Frau Schmidt in zwei gut besuchten Vorstellungen die Szenencollage „Flugversuche“. 24 Schülerinnen und Schüler übertrugen Themen wie Lüge, Realitätsverlust und Verrat in ihre eigene Lebenswelt.  Inspiriert von Ibsens Stück Peer Gynt sowie eigenen Recherchen entstanden Szenen, die Fragen des Erwachsenwerdens und der Identitätsfindung aufgriffen. „Ist das dein Ferrari?“, „Äh, ja klar.“ Ein Lachen im Zuschauerraum übertönt die Fahrradklingel, als das Teufelchen der angeblichen Sportwagenbesitzerin ihr Fahrrad auf die Bühne schiebt und diese nervös davon fährt. Auf der Bühne sieht man Mädchen, die so sein möchten, wie die schönen, reichen und coolen. Man sieht einen Jungen, der sich nicht traut, ein Mädchen anzusprechen, vor seinen Freunden aber vom ersten Date schwärmt. Da sind eine Jugendliche, die in eine Traumwelt reisen möchte - so wie früher – und andere, die vor Kindheitserinnerungen flüchten und lieber vergessen. „Zwischen Traum und Realität, irgendwo da“, heißt es im Stück. Ein schlicht gehaltenes Bühnenbild und viele Regieeinfälle zum Detail ermöglichen einen schnellen spannungsreichen Szenenwechsel und das Erzeugen verschiedener Stimmungen. Lacht der Zuschauer an einigen Stellen überrascht laut auf, so betrachtet er in anderen Momenten nachdenklich Bilder der Kontaktimprovisation. Am Ende wird die Botschaft deutlich. Neben Angst, Selbstdarstellung und Drogenkonsum gibt es Hoffnung. „Hör nicht auf die anderen. Glaube an dich selbst.“ Und als der Nerd sich mit der Außenseiterin im Park verabredet, öffnet sich ein neuer Weg, Seifenblassen erfüllen die Luft und die Schüler auf der Bühne breiten ihre Arme aus um zu fliegen.                 

von Anna-Lena Gebert und Anke Schmidt)