Ausflug ins Buddhistische Zentrum. An einem Dienstag war es endlich soweit: Nach wochenlanger grauer Theorie, die man sich in Form von Texten und Referaten aneignen musste, gekrönt mit einer Klausur über den Buddhismus, sollte der Relikurs E1 von Frau Ohlmeier (sowie ein paar Neugierige aus dem Ethikkurs) einmal erleben, wie der Buddhismus mitten unter uns tatsächlich praktiziert wird. Das Buddhistische Zentrum Kassel (Diamantweg-Buddhismus) in der Karthäuser Straße 5a gelegen, in einer schönen Altbau-Wohnung im ersten Stock eines Hinterhauses, lädt regelmäßig zum Tag der offenen Tür ein, sowie zu Meditationen dienstags und freitags abends, an denen alle Interessierten teilnehmen dürfen. Für unseren Besuch am Dienstag Vormittag zur besten Unterrichtszeit hatte sich ein Mitglied des Zentrums bereit erklärt, auf all unsere Fragen zu antworten, unter der einzigen Bedingung, dass wir viele davon mitbrächten. Unsere Gastgeberin hieß Anja und erklärte uns, dass das Duzen im Buddhistischen Zentrum üblich sei. Die größte Herausforderung bestand darin, zu Beginn in einem sehr schmalen Flur zu 25st Schuhe und Jacken auszuziehen. Das wurde jedoch erfolgreich gemeistert und zur Belohnung gab es Tee für alle. Wir nahmen dann im Meditationsraum in einer großen Runde auf Sitzkissen Platz und erfuhren aus Fragen, Antworten und lebhaftem Gespräch, u.a. dass die tägliche Praxis des Buddhismus doch verschieden sei von dem strengen Leben der buddhistischen Mönche, dass sie sehr gut mit einem "normalen" Leben vereinbar sei, dass kein Mitglied des buddhistischen Zentrums schon das Nirwana (also das Austreten aus dem ewigen Kreislauf von Tod und Wiedergeburt) erreicht habe, aber dass Meditation und Zusammenarbeit im Zentrum ein guter Weg sei, eine gelassenere, ausgeglichene und insgesamt glückliche und erfüllende Einstellung zu sich selbst als einen die Umwelt fördernden Teil derselben zu gewinnen. Auf dieses Weise fallen Eigeninteresse und die Förderung der Umwelt und der Mitmenschen in Eines, was eine Quelle der buddhistischen Ethik ist. Eine andere ist das Sammeln von Karma (die Bilanz unseres moralischen Verhaltens), das über die Qualität unserer Daseinsform im nächsten Leben entscheidet. Unsere Gastgeberin ist sich gewiss, dass Menschen wie Hitler noch in den nächsten 100 Millionen Jahren mit einer Daseinsform bestenfalls als Regenwurm vorlieb nehmen müssen. Diese Erkenntnis des Ausgleichs führt offenbar auch zu ausgeglichenen Gemütern. Zu guter Letzt leitete Anja noch eine Meditation mit allen gemeinsam an (nur bei der Synchronisation des gemeinsamen "Oommm" besteht noch etwas Übungsbedarf), nach welcher wir entspannt in den restlichen (Schul-)Tag entlassen wurden.

von Ute Rosenhahn-Ohlmeier

 

               von links nach rechts:Jan Schuster, Matteo Dellamaria, Jonas Meister, Fynn Scharno, Jan Hermann.